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Dachziegel grundieren

Die Grundierung ist der Schritt, den später niemand mehr korrigieren kann

Von der Straße aus sieht man sie nie. Sie ist farblos, sie trocknet ein, und nach dem zweiten Beschichtungsgang weiß kein Mensch mehr, ob sie überhaupt aufgetragen wurde. Genau deshalb wird an dieser Stelle gespart, und genau deshalb scheitern Dachbeschichtungen. Alles, was danach kommt, hängt von dieser einen Schicht ab. Wir behandeln sie als eigenständige Leistung mit eigenem Materialansatz und eigener Arbeitszeit, nicht als Beigabe, die im Deckanstrich irgendwie mitläuft.


Wie viel Grundierung ein verwittertes Dach tatsächlich aufnimmt

Bevor wir Material bestellen, legen wir eine Probefläche an und messen den Verbrauch. Ein ausgekreideter Betondachstein schluckt ein Vielfaches dessen, was auf einem noch halbwegs geschlossenen Tonziegel bleibt. Die Spanne reicht von wenigen Zehntellitern bis deutlich über einen halben Liter je Quadratmeter. Wer pauschal kalkuliert, bringt entweder zu wenig auf oder rechnet zu teuer. Wir arbeiten mit dem gemessenen Wert und tragen so lange auf, bis der Untergrund nichts mehr annimmt.


Tiefengrund oder Haftgrund: welches Produkt auf welchen Untergrund gehört

Auf saugendem, sandendem Beton und offenem Tonscherben arbeiten wir mit lösemittelfreien Tiefengrundierungen, die einziehen, den Untergrund verfestigen und die Saugfähigkeit über die Fläche vereinheitlichen. Auf dichteren Bereichen mit noch teilweise vorhandener Werksbeschichtung ist ein haftvermittelnder Grund sinnvoller, weil dort nichts mehr eindringen kann. Häufig kommt beides auf einem Dach zum Einsatz, seitenweise unterschiedlich. Die Produkte beziehen wir über unseren eigenen Fachhandel und bleiben damit innerhalb eines aufeinander abgestimmten Systems.


Auftrag von Hand, nass in nass, und nicht mit dem Spritzgerät

Die meisten Ziegelgrundierungen sind dünnflüssig und dürfen nicht airless verspritzt werden, weil sie zerstäuben statt einzuziehen und der Nebel über das ganze Grundstück zieht. Wir arbeiten deshalb mit Flächenstreicher, Deckenbürste und Rolle. Stark saugende Bereiche bekommen den zweiten Auftrag nass in nass, solange der erste noch nicht abgebunden hat, weil sich die Schichten dann verbinden statt aufeinanderzuliegen. Randziegel, Ortgang und Kehlen streichen wir einzeln, sonst bleiben genau dort Fehlstellen.


Temperatur, Taupunkt und das Zeitfenster bis zum Deckanstrich

Grundiert wird bei trockener Witterung und Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt, nicht in praller Mittagssonne und nicht, wenn abends Tau fällt. Zu schnelle Trocknung verhindert das Eindringen, zu viel Restfeuchte verhindert das Abbinden. Nach dem Auftrag halten wir die vom System vorgegebene Wartezeit ein, bevor der erste Beschichtungsgang folgt. Zu früh überarbeitet, bleibt die Grundierung weich, zu spät, verliert sie an Anfangshaftung. Beides sieht man erst nach dem ersten Winter.


Woran sich eine fehlende oder falsche Grundierung später zeigt

Das typische Bild ist eine fleckige, unterschiedlich glänzende Fläche, weil die Deckschicht dort, wo der Ziegel gesaugt hat, ausgemagert ist. Dazu kommen kreidende Stellen, an denen sich Pigment mit dem Finger abwischen lässt, und nach dem ersten Frostwechsel schuppige Ablösungen an den Sichtkanten. Reparieren lässt sich das nicht durch einen weiteren Anstrich, sondern nur, indem die Fläche noch einmal aufgebaut wird. Damit ist die eingesparte Grundierung die teuerste Position der ganzen Maßnahme.


Kontakt

Wenn Sie ein Angebot für eine Dachbeschichtung vorliegen haben, schauen Sie nach, ob die Grundierung als eigene Position mit Produktangabe und Verbrauch aufgeführt ist. Fehlt sie oder steht dort nur ein pauschaler Satz, lohnt sich eine zweite Meinung. Wir kommen vorbei, bestimmen das Saugverhalten Ihres Daches an mehreren Stellen und legen Ihnen ein Angebot vor, in dem jede Schicht mit Material und Menge steht. Rufen Sie an, wir stimmen einen Termin ab.


Telefon: 0911 / 54 02 60 77

E-Mail: info@hbsbau.com


FAQ


Kann die Grundierung entfallen, wenn die Ziegel noch ordentlich aussehen?

Optik und Saugverhalten haben wenig miteinander zu tun. Ein Ziegel kann von unten betrachtet gleichmäßig wirken und trotzdem so stark saugen, dass er der Deckschicht das Bindemittel entzieht. Entscheidend ist der Test an der Fläche, nicht der Eindruck vom Boden aus. Nur wenn Wasser auf der gereinigten Oberfläche stehen bleibt und nicht einzieht, wäre eine Grundierung technisch verzichtbar. In diesem Fall stellt sich allerdings die Frage, ob eine Beschichtung überhaupt sinnvoll ist.


Woran erkenne ich hinterher, ob wirklich grundiert wurde?

Direkt an der fertigen Fläche kaum, deshalb dokumentieren wir diesen Schritt. Sie bekommen Fotos vom Auftrag, die Angabe des verwendeten Produkts und die tatsächlich verbrauchte Menge. Wer möchte, ist an diesem Arbeitstag vor Ort und sieht es sich selbst an. Ein weiteres Indiz ist der Zeitplan: Wird ein Dach an einem Tag gereinigt und am nächsten fertig beschichtet, kann weder die Trocknung noch eine ordentliche Grundierung stattgefunden haben.


Wird die Grundierung getrennt abgerechnet oder steckt sie im Quadratmeterpreis?

Wir weisen sie getrennt aus, mit Produkt, Menge und Arbeitszeit. Das hat einen praktischen Grund: Der Verbrauch schwankt je nach Zustand des Untergrunds erheblich, und ein pauschaler Preis müsste den ungünstigsten Fall einkalkulieren. Bei uns zahlen Sie, was tatsächlich aufs Dach geht. Gleichzeitig sehen Sie schwarz auf weiß, dass dieser Schritt eingeplant ist, und können unser Angebot an dieser Stelle mit anderen vergleichen.

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