
Tonziegel beschichten
Tonziegel beschichten: wann sich der Aufwand lohnt und wann wir abraten
Gebrannter Ton ist ein anderes Material als Beton, und er verträgt nicht jede Behandlung. Sinnvoll wird eine Beschichtung dann, wenn die Brennhaut abgewittert ist, der Scherben sichtbar Wasser zieht und die Fläche fleckig und moosbewachsen dasteht. Solange ein Tonziegel dagegen noch dicht und farbstabil ist, bringt Farbe keinen technischen Vorteil. Dann reinigen wir und lassen es dabei. Diese Unterscheidung treffen wir vor Ort, weil sie über Nutzen und Kosten der gesamten Maßnahme entscheidet.
Naturrot, engobiert oder glasiert: die Oberfläche bestimmt das Ergebnis
Naturrote Tonziegel ohne Werksveredelung sind offen genug, dass sich ein Beschichtungssystem sauber verankern lässt. Engobierte Ziegel tragen eine eingebrannte Tonschlämme, die je nach Alter noch dicht sein kann oder eben nicht mehr. Glasierte Oberflächen sind praktisch Glas, dort hält auf Dauer nichts. Häufig finden wir Mischzustände, bei denen die Südseite längst offen liegt und die Nordseite noch intakt ist. Wir bewerten deshalb jede Dachseite einzeln. Das kostet eine Viertelstunde mehr und verhindert teure Fehlentscheidungen.
Haftprobe und Wassertest, bevor wir ein Angebot schreiben
Zwei einfache Prüfungen sagen mehr als jede Ferndiagnose. Beim Wassertest tropfen wir Wasser auf die gereinigte Fläche und beobachten, ob es einzieht oder abperlt. Perlt es ab, ist die Engobe noch intakt und wir raten von der Beschichtung ab. Zieht es ein, legen wir zusätzlich eine Musterfläche mit Grundierung und Deckschicht an, lassen sie durchtrocknen und ziehen sie mit Klebeband wieder ab. Erst wenn beide Prüfungen passen, bekommen Sie von uns ein Angebot.
Sanfte Reinigung mit Einwirkzeit statt Druck auf den Scherben
Alte Tonziegel haben oft Haarrisse, die man von unten nicht sieht. Fährt man mit hohem Druck darüber, wird Wasser in diese Risse getrieben und im nächsten Frost sprengt es Kanten ab. Wir arbeiten deshalb mit Algen- und Moosentferner, geben dem Mittel Zeit und nehmen den Bewuchs anschließend mit reduziertem Druck ab. Nester an Kehlen, Anschlüssen und unter Überdeckungen holen wir von Hand heraus. Der Ziegel bleibt dabei ganz, und das ist bei Altbestand die halbe Miete.
Diffusionsoffen bleiben, damit im Scherben keine Feuchte eingeschlossen wird
Ton nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, das ist normal und muss so bleiben. Ein zu dichtes Beschichtungssystem unterbindet diesen Austausch, der Ziegel bleibt länger nass und Algen finden am Ende bessere Bedingungen als vorher. Wir setzen deshalb ausschließlich wasserdampfdurchlässige Systeme ein und tragen sie in kontrollierter Schichtdicke auf, statt die Fläche zuzuschütten. Kopfstöße, Falze und Lüftungsöffnungen bleiben frei. So wird der Ziegel wasserabweisend, ohne seine bauphysikalische Funktion zu verlieren.
Farbton mit Rücksicht auf Ortsbild und Nachbarbebauung
In fränkischen Altorten und historischen Ensembles fällt ein grell nachgefärbtes Dach sofort auf, und selten positiv. Wir stimmen den Farbton deshalb am Objekt ab, meist in gedeckten Rot- und Oxidrottönen, die dem gealterten Ziegel nahekommen. Auf Wunsch legen wir Musterflächen an, die Sie bei Tageslicht von der Straße aus beurteilen können. Wo eine Gestaltungssatzung gilt, richten wir uns nach deren Vorgaben. Ein stimmiger Farbton kostet nicht mehr, wirkt sich aber unmittelbar auf den Eindruck des ganzen Hauses aus.
Kontakt
Wenn Ihr Ziegeldach fleckig geworden ist, Moos ansetzt oder Sie unsicher sind, ob Farbe hier überhaupt das richtige Mittel ist, kommen wir vorbei und prüfen den Scherben. Sie bekommen von uns eine klare Aussage, auch wenn sie lautet, dass eine gründliche Reinigung völlig ausreicht. Ist eine Beschichtung sinnvoll, legen wir Ihnen ein Angebot mit vollständigem Leistungsumfang vor, vom Gerüst über die Reinigung bis zum letzten Beschichtungsgang. Rufen Sie an und lassen Sie uns einen Termin ausmachen.
Telefon: 0911 / 54 02 60 77
E-Mail: info@hbsbau.com
FAQ
Muss eine Dachbeschichtung genehmigt werden, wenn eine Gestaltungssatzung gilt?
In vielen fränkischen Altstadtbereichen und in Ensembleschutzgebieten regeln Gestaltungssatzungen, welche Dachfarben zulässig sind. Ein Farbwechsel kann dort zustimmungspflichtig sein, ein Auffrischen im vorhandenen Ton meist nicht. Bei eingetragenen Baudenkmälern ist ohnehin die Untere Denkmalschutzbehörde einzubinden, und dort wird eine Beschichtung häufig kritisch gesehen. Wir sprechen das vor der Angebotslegung an, damit Sie nicht in eine Maßnahme starten, die später beanstandet wird. Die Abstimmung mit der Gemeinde läuft in der Regel über Sie als Eigentümer.
Kann ich das Regenwasser nach der Beschichtung weiter in die Zisterne leiten?
Nach dem Auftrag lassen wir die Beschichtung vollständig aushärten und empfehlen, den Zulauf zur Zisterne für die ersten kräftigen Regenfälle abzukoppeln. In dieser Phase werden lose Pigmentreste abgespült. Danach ist das Wasser für Gartenbewässerung und Toilettenspülung in der Regel unbedenklich, weil die eingesetzten Systeme wasserbasiert sind und nach der Trocknung nichts mehr abgeben. Wer sein Regenwasser weitergehend nutzt, sollte uns das vorher sagen, dann stimmen wir Produktwahl und Ablauf darauf ab.
Was passiert, wenn die Engobe nur auf einem Teil der Dachfläche abgewittert ist?
Genau dieser Fall ist häufig, weil Süd- und Westseite deutlich stärker beansprucht werden als die Nordseite. Beschichten wir dann alles gleich, hält die Farbe auf der offenen Seite gut und auf der noch dichten Seite schlecht. Wir prüfen deshalb jede Fläche einzeln und arbeiten mit angepasster Grundierung, auf den dichteren Bereichen teilweise auch mit einem Haftvermittler. Bleibt eine Seite völlig unauffällig, beschichten wir sie nicht mit, sondern reinigen sie lediglich.
